Die Bedeutung des Futters: So beeinflusst die Ernährung des Pferdes sein Wohlbefinden und seine Leistung

Die Bedeutung des Futters: So beeinflusst die Ernährung des Pferdes sein Wohlbefinden und seine Leistung

Die Ernährung eines Pferdes ist weit mehr als nur Energiezufuhr – sie bildet die Grundlage für Gesundheit, Vitalität und Leistungsfähigkeit. Ob Freizeitpferd, Sportpartner oder Zuchtstute: Das richtige Futter entscheidet maßgeblich über das Wohlbefinden und die Belastbarkeit des Tieres. Eine ausgewogene Fütterung kann Krankheiten vorbeugen, die Muskulatur stärken und das Verhalten positiv beeinflussen, während Fehler in der Fütterung zu Verdauungsproblemen, Übergewicht oder Leistungseinbußen führen können. Im Folgenden erfährst du, worauf es bei der Pferdefütterung in Deutschland ankommt.
Grundbedarf – Raufutter als Basis
Das Verdauungssystem des Pferdes ist auf die Aufnahme kleiner Futtermengen über den ganzen Tag verteilt ausgelegt. Deshalb sollte Raufutter – also Heu, Heulage oder Gras – immer den größten Anteil der täglichen Ration ausmachen. Als Richtwert gilt: Ein Pferd benötigt mindestens 1,5–2 kg Trockensubstanz Raufutter pro 100 kg Körpergewicht täglich.
Raufutter sorgt für eine gesunde Darmflora, gleichmäßige Energiezufuhr und befriedigt das natürliche Kaubedürfnis. Zu wenig Raufutter kann Magenprobleme, Koliken oder Stress verursachen. Ebenso wichtig ist die Qualität: Staubiges oder schimmeliges Heu kann Atemwegsprobleme hervorrufen und die Futteraufnahme mindern. In Deutschland ist es üblich, Heu regelmäßig auf Nährstoffgehalt und hygienische Qualität prüfen zu lassen – ein Schritt, der sich langfristig auszahlt.
Kraftfutter – wenn der Energiebedarf steigt
Nicht jedes Pferd braucht Kraftfutter. Freizeitpferde, die leicht gearbeitet werden, kommen oft mit gutem Raufutter und einem Mineralfutter aus. Sportpferde, Jungpferde im Wachstum oder laktierende Stuten hingegen benötigen zusätzliche Energie, Eiweiß und Vitamine. Hier kann Kraftfutter – etwa Hafer, Pellets oder Müsli – sinnvoll sein.
Wichtig ist, das Futter an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Zu viel Stärke und Zucker können Unruhe, Übergewicht oder Verdauungsstörungen verursachen. Viele Reiterinnen und Reiter in Deutschland setzen inzwischen auf stärke- und zuckerreduzierte Futtermischungen, um eine gleichmäßige Leistungsbereitschaft zu fördern. Kraftfutter sollte immer in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt werden, um den empfindlichen Pferdemagen zu schonen.
Vitamine, Mineralstoffe und Ergänzungen
Selbst bei hochwertigem Grundfutter kann es an bestimmten Nährstoffen fehlen. Ein Mineralfutter gleicht diese Defizite aus und ist besonders wichtig, wenn kein vollwertiges Kraftfutter gefüttert wird. Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Selen sind entscheidend für Hufqualität, Fellglanz und Immunsystem.
Ergänzungsfuttermittel sollten jedoch gezielt eingesetzt werden. Eine Überversorgung kann ebenso schädlich sein wie ein Mangel. In Deutschland bieten viele Labore Heuanalysen an, die eine genaue Anpassung der Futterration ermöglichen – eine gute Grundlage für eine bedarfsgerechte Fütterung.
Wasser und Salz – die oft unterschätzten Faktoren
Wasser ist das wichtigste Nährmittel überhaupt. Ein erwachsenes Pferd trinkt je nach Temperatur, Futter und Arbeitsintensität zwischen 20 und 40 Liter pro Tag. Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit verfügbar sein – besonders nach dem Training oder an heißen Tagen.
Auch Salz spielt eine zentrale Rolle. Pferde verlieren beim Schwitzen Elektrolyte, die ersetzt werden müssen. Eine Salzlecksteine in der Box oder lose Salzgabe im Futter hilft, den Elektrolythaushalt zu stabilisieren und Muskelkrämpfen vorzubeugen. Bei starkem Schwitzen, etwa im Turniersport, können spezielle Elektrolytpräparate sinnvoll sein.
Futter und Verhalten – innere Ruhe durch richtige Ernährung
Die Fütterung beeinflusst nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Verfassung des Pferdes. Zu wenig Raufutter oder zu viel Zucker kann zu Nervosität, Aggression oder Konzentrationsproblemen führen. Eine faserreiche, ausgewogene Ernährung hingegen fördert Ruhe und Ausgeglichenheit.
Langsames Fressen über den Tag verteilt – etwa durch Heunetze oder Slowfeeder – entspricht dem natürlichen Fressverhalten und beugt Langeweile sowie Verhaltensstörungen wie Koppen oder Weben vor. Viele deutsche Pferdebetriebe setzen inzwischen auf solche Fütterungssysteme, um das Wohlbefinden ihrer Tiere zu steigern.
Anpassung an Jahreszeit und Arbeitsbelastung
Der Nährstoffbedarf eines Pferdes verändert sich mit den Jahreszeiten. Im Winter benötigt es mehr Energie, um die Körpertemperatur zu halten, während im Sommer das Weidegras oft reichlich Nährstoffe liefert. Auch Trainingsintensität und Lebensphase spielen eine Rolle: Ein Pferd im Aufbautraining braucht andere Nährstoffe als ein älteres Tier im Ruhestand.
Futterumstellungen sollten stets schrittweise erfolgen, um die empfindliche Darmflora nicht zu belasten. Eine regelmäßige Überprüfung der Futterration – idealerweise in Zusammenarbeit mit Tierarzt oder Futterberater – hilft, Mangelerscheinungen und Überfütterung zu vermeiden.
Eine ausgewogene Ernährung – der Schlüssel zu Gesundheit und Leistung
Wenn das Futter optimal auf die Bedürfnisse des Pferdes abgestimmt ist, zeigt sich das schnell: glänzendes Fell, stabile Kondition und ein ausgeglichenes Wesen. Fütterung bedeutet nicht nur, genug zu geben, sondern das Richtige in der richtigen Menge. Mit Aufmerksamkeit, Wissen und regelmäßiger Anpassung lässt sich sicherstellen, dass das Pferd gesund bleibt, Freude an der Arbeit hat und seine volle Leistungsfähigkeit entfalten kann.













